Metaphern für Gefangenschaften
in der Malerei des 19. Jahrhunderts
Tangelder, Elke
- 1993
- 259 S.
- 61 Abb.
- 14,8 x 21 cm
- dt.
- EUR 34,00
- ISBN 9-927408-84-0
In der Malerei des 19. Jh. gibt es zahlreiche Darstellungen von Menschen in abgeschlossenen und abgegrenzten Räumen, vor Mauern, Zäunen und Gittern, an Schwellen und Abgründen. In Bildern von ‘Grenzen’ ohne Bildfigur(en) wird der Betrachter selbst zum Aus- bzw. Eingeschlossenen. Für die ikonographische Betrachtung derartiger Bilder ist das ‘Gefängnis’ als analoger Begriff herangezogen worden, um abstraktere Empfindungen und bestimmte Weltauffassungen und -erfahrungen zu beschreiben: das Bewußtsein und das Gefühl, in einem mehr oder weniger bestimmbaren Raum sowie in seinem Körper und der Seele ‘gefangen’ zu sein.
Mit Hilfe vielfältiger Gemäldebeschreibungen werden diese unsichtbaren Kerker sichtbar und romantische Bild-Idyllen als Scheinfreiheiten kritisch hinterfragt. Ergänzend verdeutlicht ein Exkurs, daß das Phänomen der Gefängnismetapher auch als zentrales Thema in der zeitgenössischen Dichtung angesprochen werden muß.
Inhalt:
I. Einleitung
II. Die Gefängnismetapher bei Carl Spitzweg
- Der doppelte Kerker. Versuch einer Bildmonographie zu Carl Spitzwegs "Aschermittwoch"
- Der Bildgegenstand
- Spitzwegs verschiedene Fassungen des "Aschermittwoch"-Gemäldes
- Einflüsse auf Spitzweg zur Entstehungszeit des Bildes
- Aktuelle Zeitgeschichte: die Malerei in England, Frankreich und Prag
- Die französischen Karikaturisten und die "Fliegenden Blätter"
- Historischer Rückbezug: Niederländische Malerei des 17. und italienische Malerei des 15./16. Jahrhunderts
- Die Gemäldesammlung des Grafen Schönborn in Pommersfelden
- Rembrandt, Ostade, Caravaggio: ihre Darstellung des Lichtes in der Malerei und ihre Bedeutung für Spitzweg
- Spitzwegs Bildwelt als ‘Welt von Gefangenen’
- Die Funktion des Lichtes im Innenraum im Hinblick auf die Gefängnismetapher
- Der Außenraum
- Der gefangene Clown – Bonaventuras Mensch im Kerker seiner Rolle
III. Johann Heinrich Wilhelm Tischbeins Aquarell "Der lange Schatten"
- Die Beschreibung Arthur Schopenhauers
- Tischbeins Aquarell im Vergleich mit Spitzwegs "Aschermittwoch"
- "Der lange Schatten" als Bild für die gefangene Seele
IV. Die Gefängnismetapher im Werk von Caspar David Friedrich
- Der Blick aus dem ‘Gefängnis’: Das Bild der "Frau am Fenster" als Ausdruck existentieller Freiheitssehnsucht
- Die ‘Gefängnis’-Situation der "Frau am Fenster" in Abgrenzung zu der des Spitzwegschen "Clowns" und des Tischbeinschen "Verzweifelten"
- Zur ‘Gefängnis’-Raum-Metaphorik bei Caspar David Friedrich allgemein
- Zwei Innenraumdarstellungen aus Meißen
- Architektonische und vegetabile Schranken in Landschaftskonstruktionen
- "Gedächtnisbild für Johann Emanuel Bremer"
- "Der Abend"
- Melancholie
- Die historische Situation als ‘Gefängnis’
- "Zwei Männer in Betrachtung des Mondes"
- "Die Lebensstufen"
- "Gartenterrasse"
- Französische Freiheitsbestrebungen und deutsche Passivität
- Exkurse:
a) Die Malerei Friedrichs im Kontext literarischer, philosophischer und künstlerischer Wechselbeziehungen der Frühromantik
b) Die Gefängnismetapher in der frühromantischen Literatur
c) "Ins Kristall bald dein Fall" – Zur Gefangenschaft des Anselmus in E.T.A. Hoffmans "Der goldne Topf"
V. Die Gefängismetapher in den Darstellungen von Künstlerateliers im 19. Jahrhundert
- Georg Friedrich Kersting: "Caspar David Friedrich in seinem Atelier"
- Honoré Daumier: "L’artiste en face de son oeuvre"
- Rembrandts Selbstbildnis im Atelier
- Eugéne Delacroix: "Michel-Ange dans son atelier"
- Michelangelos ‘Gefängnis der Melancholie’
- Delacroix’ Darstellungen des eingekerkerten Tasso
- "Le Tasse á l’hopital" – Die Fassung von 1839
- Die Bleistiftzeichnung und das Ölgemälde von 1824
- Das Motiv des Sichabwendens
- Balzacs Frenhofer als Prototyp des nach dem Absoluten strebenden Künstlers
VI. Schlußbetrachtung
VII. Literaturverzeichnis
VIII. Anhang
Abbildungen
Abbildungsverzeichnis und Fotonachweise