(Forschungsberichte zur Transkulturellen Medizin und Psychotherapie, Bd.3)
Im Zentrum dieses Buches steht die Darstellung und Interpretation aktueller 'Lernversuche' von fremden Kulturen in New Age und Wissenschaft (Ethnopsychotherapie, Ethnologie, Religionswissenschaft). Die dort zu registrierenden Trends einer teilweise begeisterten Hinwendung zum Fremden beziehen sich vor allem auf fremde Religionsformen. Diese werden dabei zum Vorbild erhoben, anhand dessen man die eigene Kultur, d.h. die moderne Industriegesellschaft kritisiert. Darüberhinaus besteht besonders innerhalb der New Age-Bewegung der Anspruch, durch die Aneignung fremden religiösen Wissens zu einer Persönlichkeits- und Gesellschaftstransformation zu gelangen. Ein konkretes Beispiel dafür ist die sogenannte "Wildman-Bewegung": Darin versuchen Männergruppen in den USA und mittlerweile auch in Deutschland, Initiationsrituale "archaischer" Völker zu praktizieren und in die eigene Gesellschaft zu übertragen. Um Persönlichkeitsentwicklung geht es auch den Ethnopsychotherapeuten, die sich bei ihrer Betrachtung fremder Heilrituale Anregungen für die psychotherapeutische Praxis erhoffen.
Ziel dieses Buches ist es, die dargestellten 'Lernversuche' bezüglich ihrer inhärenten Deutungsmuster des Fremden zu untersuchen. Ausgehend von ethnologischen und pädagogischen Theorien wird deshalb eine analytische Unterscheidung zwischen 'Interkulturellem Lernen' und 'Exotismus' - als zwei verschiedenen Arten des Fremderlebens getroffen. Lassen sich die derzeitigen Trends in New Age und Wissenschaft als 'interkulturelles Lernen' oder eher als 'Exotismus' bezeichnen? Welchen Anspruch haben die Vertreter der vorgestellten Ansätze selbst? Könnte die Ethnologie als die Wissenschaft vom Fremden par excellence zu einem verbesserten Verstehen des Fremdkulturellen und damit auch zu einem verbesserten 'interkulturellen Lernen' in unserer Gesellschaft beitragen?
Abschließend wird ferner die Frage diskutiert, ob umgekehrt nicht auch die Ethnologie durch die pragmatisch orientierten Ansätze 'interkulturellen Lernens' im New Age-Bereich und in der Ethnopsychotherapie etwas hinzugewinnen könnte.
Inhalt:
Vorwort