Krieger, Wolfgang / Fath, Elfriede
(Forschung und Lernen; Bd. 3)
Sexuelle Gewalterfahrungen von Kindern und Jugendlichen in der Familie haben erst in den letzten Jahren eine Öffentlichkeit gefunden. Obwohl ein erheblicher Teil der Kinder und Jugendlichen, die in Heimerziehung leben, aufgrund der Folgen sexuellen Miflbrauchs dort untergebracht sind, spielen die sexuellen Gewalterfahrungen der Betroffenen in den Interventions- und Aufnahmebegründungen und in den Handlungs- und Angebotskonzepten öffentlicher Erziehungshilfen nur eine untergordnete Rolle.
Die vorliegende Arbiet setzt bei dem heutigen Forschungsstand zum sexuellen Mißbrauch an. Sie arbeitet die verschiedenen theoretischen Ansätze heraus und geht auf deren Bedeutung für den Umgang und die Arbeit mit sexuell mißbrauchten Kindern und Jugendlichen ein. Sie wendet diese Fragestellung dann im besonderen auf die Möglichkeiten der Heimerziehung an und betrachtet vor diesem Hintergrund die spezifischen Bedingungen der sexuellen Sozialisation im Heim und das heutige sexualpädagogische Profil der Heimerziehung.
Anhand einer Umfrage der Heime in Rheinland-Pfalz wird aufgezeigt, daß sexueller Mißbrauch zwar in den Heimen immer stärker thematisiert wird, jedoch sehr wenige Hilfen zur Bewältigung der Mißbrauchserlebnisse für die Betroffenen angeboten werden. Heimerziehung steht den betroffenen Kindern und Jugendlichen bisher relativ hilflos gegenüber. Aus den Ergebnissen der Befragung werden Forderungen zur Verbesserung der Heimerziehung abgeleitet, die in praxisorientierte Vorschläge zu parteilichen Hilfsangeboten für betroffene Kinder und Jugendliche einmünden. Die besondere Situation der Betroffenen erfordert besondere Haltungen und Qualifikationen der pädagogischen Mitarbeiter.
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